Viral Media

Anläßlich der Ausstellung „Viral Theateres“ widmet das Theatermuseum im Hofgärtnerhaus einen Abend der Künstlerin und Medienwissenschaftlerin Susanne Ristow und ihren Gästen. Unter dem Titel VIRAL MEDIA – Präsentation kulturvirologischer Publikationen wird am Freitag, 2. Dezember um 18 Uhr zunächst zwischen Maren Butte (Theaterwissenschaftlerin und Professorin für Medienkulturwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität) und Susanne Ristow (Künstlerin und Medienwissenschaftlerin) ein Impulsgespräch zu künstlerischen Chancen und Risiken der Ansteckung mit Worten, Bildern, Sounds und Ideen stattfinden, womit eine völlig andere Perspektive auf Viren und Viralität als die in der Pandemie gewohnte ermöglicht wird. An diesen Einstieg zur Vorstellung der Thematik des Buches Kulturvirologie. Das Prinzip Virus von Moderne bis Digitalära (De Gruyter Berlin, 2021) ISBN 978-3-11-070328-3 schließt sich eine szenische Dostojewskilesung des Berliner Schauspielers Roland Schäfer (präsentiert vom Theologen Hartmut Diekmann) an. In der Pandemie haben Susanne Ristow und Natalia Gershevskaya (Kuratorin und Kunstvermittlerin) aus dem Lockdown heraus begonnen, einen Dostojewskitext mit neuen Augen zu betrachten: „Der Traum eines lächerlichen Menschen“ erwies sich trotz seines Entstehungsjahres 1877 als hochaktueller Text über existenzielle Bedrängnis, menschliche Zerstörungskraft, die Ursprünge von Konstruktivismus und Raumfahrt, sowie der Hoffnung, nicht nur mit Lüge, sondern auch mit Liebe anstecken zu können. Letztes Blatt der Edition CONTAGIO FD 1877/ Zarazenje ist das „Christus-Virus“, Viral Love! Entstanden ist aus diesem pandemiebedingten Dialog eine in erlesener Auflage von vierundzwanzig Stück in der Kunstdruckerei Il Laboratorio Nola/Napoli, 2021 produzierte Mappe mit dem dreisprachig typographierten Text von Fjodor M. Dostojewski und sieben Farbradierungen, die ebenso wie das Buch zur Kulturvirologie erstmals in Düsseldorf präsentiert wird. Für die Einladung sei Direktor Dr. Sascha Foerster vom Theatermuseum im Hofgärtnerhaus herzlichst gedankt.

Post Doc Universität Friedrich II. Neapel

Mit einem Post Doc Stipendium ist Susanne Ristow 2022/23 an der (1224 als erste laizistische Hochschule Europas gegründeten) Universität Friedrich II. für Federica Weblearning tätig. Mit einem engagierte Team aus Graphikern und Videographen werden gemeinsame Ideen zur neuen Webpräsenz und einem neuen Image Video der Weblearning Abteilung entwickelt. Federica Weblearning ist 2007 im Rahmen eines Förderprogrammes der europäischen Union entstanden und inzwischen mit zahlreichen MOOCs (Massive Open Online Courses) die europäische Weblearning Plattform mit den meisten Followern weltweit. Infos: https://www.federica.eu/en/

MISSING M. 2022

Vor dem Spiel, nach dem Spiel, anstelle des Spiels: FEHLSTELLE M./ MISSING M. ist eine zeichnerische Analyse des Dilemmas, in dem sich der Fußball zur WM 2022 am Austragungsort Katar befindet. Anhand der Symbolfigur Diego Armando Maradona denkt Ristow mit zeichnerischen Mitteln an den Spieltagen über Mann, Raum und Ball nach und schlägt dabei eine Brücke zu ihrer Beschäftigung mit Neapel und ihren Aktivitäten rund um Federica Weblearning als Schnittstelle zwischen Handzeichnung und Digitalkultur. Veröffentlicht werden die Zeichnungen an den Spieltagen vom 20.11.-18.12.2022 in den sozialen Netzwerken Instagram https://www.instagram.com/susanneristow/ und Facebook https://de-de.facebook.com/susanne.ristow/

Lecture am IFK Wien

Am 19.1.2022 fand die ursprünglich in Präsenz geplante Lecture „When too perfect, lieber Gott böse“. Kulturvirologische Betrachtungen zur künstlerischen Sprache der Fluxus-Akteure in Form einer Onlineveranstaltung mit zahlreichen Teilnehmern am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien statt: Spezifische künstlerischen Methoden und Ausdrucksmöglichkeiten der 1960er Jahre werden nach den Erkenntnissen der „Kulturvirologie“ erst vor dem Hintergrund neuer, physikalisch und biologisch inspirierter Interaktionsmodelle nach dem „Prinzip Virus“ denkbar, die ihre Entsprechung in Mikrobiologie, Ökologie und biologischer Strukturkoppelung finden. KünstlerInnen mit interkulturellem und partizipativem Potential wie Benjamin Patterson, Nam June Paik oder Yoko Ono dürfen als spezifische menschliche ÜberträgerInnen akustischer Fluxus-Viren angenommen werden, gegen die als Immunantwort des dominanten westlichen Kunstsystems seinerzeit noch keine ausreichend starken Abwehrkräfte oder gar Resistenzen entwickelt werden. Durch den Zweiten Weltkrieg befindet sich seinerzeit das kulturelle Informationssystem des Westens, metaphorisch gesprochen, in der Situation eines Transplantationspatienten, dessen Körper nur durch die Einnahme von immunsupressiven Medikamenten von der Akzeptanz eines „fremden“ neuen Organs überzeugt werden kann. Dies mag einer der historischen Gründe sein, warum gerade in den 1960er Jahren in der westlichen Welt eine besondere Vielfalt künstlerischer und gesellschaftlicher Innovationen aufkommen und breitenwirksam werden und „Diversität“ zum Paradigma der politischen Kultur der Gegenwart aufsteigen kann. Am Beispiel der viralen Praxis einer Auswahl intermedialer Fluxus-Werke wird die Weitergabe von Dada-Mikroben und Fluxus-Viren an Punk und digitale Partizipationskultur vorgestellt und ein aktueller Ausblick auf Prozesse der Viralität jenseits der Pandemie gewagt.